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Wednesday, November 11, 2009

IFC-Faschingsvorlesung 2009

Liebe Trauergemeinde,

zum ersten Mal seit 32 Jahren gibt es am heutigen Tage keine Vorlesung des Informatiker Faschings Clubs. Wir sind hier zusammen gekommen, um diesem Ereignis in einem angemessenen Rahmen zu gedenken.

Die Band Tocotronic sang einst in einem Lied: „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein!“. Ob sie damit den IFC meinte, dem wir heute gedenken, darf getrost bezweifelt werden. Und doch: Ohne die jungen, engagierten Menschen, die seit über 30 Jahren diesen Club bildeten, wäre die Welt heute kein besserer Ort.

Wo andernorts leichtbekleidete Funkenmariechen sich im kalten Novemberwetter ihre Nieren unterkühlten, war die Vorlesung des IFC ein wohlig-warmer Ort mit Musik, Tanz und nach der Erfindung des Fernsehens sogar auch mit Filmen!

Wo drittklassige Politiker sonst in niemals enden wollenden Büttenreden mehr und mehr Aufmerksamkeit auf ihr Ego zu lenken versuchen, konnte der IFC hochklassige, international angesehene Forscher, wie unseren Prof. Dr. Prof. h.c. Ifc. Ganter, gewinnen, um alljährlich am 11. November ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Als im Oktober 1989 junge IFC-Mitglieder im Bärenfellkostüm zu einer Foto-Session vor dem Brandenburger Tor in Berlin auftraten, irritierte dies die Machthaber in der damaligen DDR so sehr, dass sie noch vor der IFC-Vorlesung 1989 die Grenzen der DDR öffneten, um möglichst vielen Westdeutschen die Teilnahme an diesem Ereignis zu ermöglichen.

Als 1997 ganz Dresden darüber sprach, sich gemeinsam mit Leipzig um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 zu bewerben, fasste der IFC sich ein Herz und schickte dem Internationalen Olympischen Komitee die Dresdner Bewerbung für die Winterspiele 2006, welche dann aufgrund der nicht fristgerecht fertig gestellten Waldschlösschenbrücke doch nach Turin verlagert werden mussten.

Schon vor 10 Jahren erkannte der IFC die Zeichen der Zeit und sorgte für eine dauerhafte solide Grundfinanzierung der Informatik in Dresden über eine eigens gegründete NIX Bank, die auch heute noch keinen einzigen Euro besitzt.

Als im September 2001 schreckliche Terroranschläge die Welt erschütterten, war es der IFC, der zwei Monate später durch die Gründung der „Vereinigten Stochastischen Emirate“ einen wesentlichen Beitrag zur Völkerverständigung leistete. Barack Obama hat für weit weniger den Friedensnobelpreis bekommen!

Aufruhr im Jahr 2005, als die gute alte Dresdner Informatik-Fakultät ihr Heim verlassen sollte, um sich kurze Zeit später in einem sterilen Neubau ohne jeglichen Nachkriegscharme und mit schimmelfreien Toiletten wiederzufinden. Und wieder war es der IFC, der durch die Konstruktion eines Raumschiffs und den Aufbruch in die Unendlichkeit (UND NOCH VIEL WEITER) einen Großteil der Errungenschaften der Dresdner Informatik zu retten vermochte.

Und als sich die armen Informatiker dann in einem nuklear grün schimmernden Gebäude voller schlecht verdeckter Baumängel und beim letzten Castor-Transport vergessener Brennstäben aus dem Forschungszentrum Rossendorf wiederfanden, gab ihnen der IFC Hoffnung, als er 2007 sagte: Das wird unser neues Grünes Gewölbe. Hier wollen wir Kunst für die Zukunft schaffen.

Dies war es, was den IFC auszeichnete. Er hat sich immer wieder neu erfunden. In Zeiten des Überflusses mahnte er die Menschen. In der Stunde der Not versprühte er Optimismus und gab den Schwachen ihre Kraft zurück.

Wir waren Teil der Jugendbewegung. Doch unsere Jugend ist nun vorbei.